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Die klügste Idee im iPhone Duo ist 240 Jahre alt

Das iPhone Duo hat das Format von DIN A4. Warum das kein Zufall ist und was Corporate Design daraus lernen kann.

Apple hat mit dem iPhone Duo das erste faltbare iPhone vorgestellt. Die Schlagzeilen drehen sich um das 7,6-Zoll-Innendisplay, den Titanrahmen und den Preis. Die eigentlich interessante Designentscheidung steht dagegen fast beiläufig in den technischen Daten: Beide Displays haben dasselbe Seitenverhältnis. Und dieses Seitenverhältnis ist, wenn man nachrechnet, ein alter Bekannter. Es ist das Verhältnis 1 zu Wurzel 2. Das Format von DIN A4.

Die Zahlen

Das Innendisplay löst mit 1878 × 2670 Pixeln auf. Das ergibt ein Seitenverhältnis von 1,42:1. Die Quadratwurzel aus 2 beträgt 1,414. Die Abweichung liegt bei einem halben Prozent, also in dem Bereich, den abgerundete Ecken und Fertigungstoleranzen erklären. Das Außendisplay kommt auf 1398 × 2034 Pixel, ein Verhältnis von etwa 1,45:1. Etwas schlanker, aber nah genug, dass Apple beide Formate als identisch kommuniziert.

Dass diese Übereinstimmung Absicht ist und kein Nebenprodukt, sagt Apple selbst. In der Pressemitteilung zum Gerät heißt es, beide Displays teilten dasselbe Seitenverhältnis, damit Inhalte proportional skalieren. Apple nennt das Ergebnis visual continuity.

Warum das Verhältnis funktioniert, zeigt eine kurze Rechnung. Das Innendisplay klappt in der Mitte. Jede Hälfte ist damit halb so breit bei gleicher Höhe. Aus 2670 × 1878 wird zweimal 1335 × 1878. Seitenverhältnis der Hälfte: 1,41:1. Wieder die Wurzel aus 2.

Das ist keine glückliche Fügung, sondern Mathematik. Es gibt genau ein Seitenverhältnis, bei dem eine Fläche nach dem Halbieren dieselben Proportionen behält wie vorher: 1 zu Wurzel 2. Bei jedem anderen Verhältnis kippt die Form beim Falten. Ein 16:9-Display wird halbiert zu 8:9, also fast quadratisch. Ein 4:3-Display wird zu 2:3. Nur bei 1 zu Wurzel 2 bleibt alles, wie es war.

Apple selbst vergleicht das zugeklappte Gerät mit einem Reisepass. Der Vergleich ist präziser, als er klingt. Ein Reisepass hat das Format ID-3, und das ist identisch mit ISO B7: 88 × 125 Millimeter. Seitenverhältnis 1,42. Auch der Reisepass ist ein Wurzel-2-Format.

Ein Prinzip von 1786

Die Eigenschaft der Wurzel 2 hat der Physiker Georg Christoph Lichtenberg bereits 1786 beschrieben. Der Ingenieur Walter Porstmann machte daraus 1922 die DIN 476, aus der 1975 die internationale Norm ISO 216 wurde. Der Startpunkt ist ein Bogen mit einem Quadratmeter Fläche, das A0. Wer ihn quer halbiert, erhält A1. Halbiert man weiter, entstehen A2, A3, A4 und A5. Jedes Format hat exakt dieselben Proportionen, weil die Wurzel aus 2 die einzige Zahl ist, die beim Halbieren stabil bleibt.

Was für Papier gilt, gilt für Displays. Apple hat mit dem iPhone Duo das DIN-Prinzip in ein Gerät gebaut. Das aufgeklappte Innendisplay ist der große Bogen. Zugeklappt entspricht das Außendisplay einer Hälfte davon. Was auf dem großen Display eine bestimmte Form hat, hat sie auf dem kleinen auch.

Warum das die klügste Entscheidung an diesem Gerät ist

Bisherige Foldables haben das Problem meist ignoriert. Außen ein schmales, hohes Display im Handy-Format, innen ein fast quadratisches Tablet. Zwei Geräte in einem Gehäuse, mit zwei Layouts, zwei Gestaltungslogiken und einem Bruch dazwischen, den die Software kaschieren muss.

Apple hat den Bruch nicht kaschiert, sondern weggerechnet. Eine mathematische Regel löst ein Designproblem, das andere mit Interface-Tricks bekämpfen. Für Entwickler heißt das: ein Layout, das in beiden Zuständen funktioniert. Für Nutzer heißt es: Das Gerät fühlt sich in beiden Zuständen wie dasselbe Gerät an. Das ist der Unterschied zwischen einem Produkt, das gefaltet wird, und einem Produkt, das für das Falten gedacht ist.

Was das mit Corporate Design zu tun hat

Auf den ersten Blick wenig. Auf den zweiten alles. Denn das DIN-Prinzip ist das reinste Beispiel für etwas, das jedes gute Designsystem auszeichnet: Eine einzige Regel erzeugt ein ganzes System, das auf jeder Größe funktioniert.

Genau das ist die Kernaufgabe von Corporate Design. Eine Marke muss auf der Visitenkarte genauso funktionieren wie auf der Fassade, im App-Icon genauso wie auf dem Messestand. Wer das mit Einzelentscheidungen löst, produziert Inkonsistenz. Wer es mit einer Regel löst, produziert ein System.

Die besten Corporate-Design-Systeme sind deshalb keine Sammlungen von Vorlagen, sondern Sammlungen von Verhältnissen. Ein Raster, das sich proportional teilt. Eine typografische Skala, die einer festen Ratio folgt. Ein Logo, dessen Schutzraum sich aus seiner eigenen Geometrie ableitet. Alles Varianten desselben Gedankens: Definiere das Verhältnis, nicht das Ergebnis. Dann skaliert das Ergebnis von selbst.

Im Branding zeigt sich das an einer einfachen Frage: Kann ein Mitarbeiter, der das Corporate-Design-Manual nie gelesen hat, aus dem vorhandenen Material die nächste Anwendung ableiten? Wenn ja, steckt ein System dahinter. Wenn nein, steckt nur eine Sammlung dahinter. Gutes Brand Design ist die Antwort auf eine Frage, die noch niemand gestellt hat.

Das iPhone Duo zeigt, wie stark dieser Gedanke ist, wenn man ihn bis in die Hardware durchzieht. Das Seitenverhältnis ist keine ästhetische Entscheidung, sondern eine strukturelle. Es ist der Punkt, an dem Produktdesign und Systemdenken zusammenfallen. Und es ist, nebenbei, eine schöne Pointe: Das modernste Gerät des Jahres folgt einer Regel, die älter ist als das Telefon.

Was wir daraus mitnehmen

Für Marken heißt das: Die entscheidenden Designentscheidungen sind oft unsichtbar. Niemand kauft ein iPhone wegen einer Wurzel. Aber jeder spürt, ob ein Gerät in sich stimmig ist oder nicht. Dasselbe gilt für eine Corporate Identity. Die Frage ist nicht, ob das Logo schön ist. Die Frage ist, ob hinter Logo, Farbe, Typografie und Raster eine Logik steht, die auf jeder Fläche trägt.

Bei Design Republic bauen wir Corporate Design nach genau diesem Prinzip: als Verhältnissystem, das von der kleinsten bis zur größten Anwendung stabil bleibt. Wenn du wissen willst, wie so ein System für deine Marke aussehen könnte, dann buche eine unverbindliche Demo.

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